“Walking for new hope” – Infoveranstaltung zu der Situation im Kongo und im Kamerun

**english below**

Die Unwissenheit über die kriegerischen Konflikte in afrikanischen Ländern wie im Kongo oder Kamerun ist in europäischen Kreisen groß.
Menschen aus dem Kongo, die mittlerweile in Athen leben, wollen auf die Situation in ihrer Heimat aufmerksam machen und ein Bewusstsein für die prekäre Lage der Zivilbevölkerung schaffen. Zusammen mit Menschen aus dem Kamerun und solidarischen Unterstützer*innen wurde dafür ein Event im öffentlichen Raum von Athen (plateia protomagias) geplant. Sie werden über die Ursprünge und globalen Zusammenhänge der Konflikte und die aktuelle Situation aufklären und damit verdeutlichen warum Menschen sich zur Flucht entscheiden.

Zusätzlich ist im Planungsprozess eine Gruppe entstanden in der einige Frauen einen Raum gefunden haben, um sich zu öffnen und ihre Geschichte zu teilen. Teil des öffentlichen Events ist es auch diese vorzutragen (teilweise anonym) und über allgemeine Fakten über (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen und Kinder im Kongo und Kamerun aufzuklären.

Das Schweigen über sexuelle Gewalt muss gebrochen werden. Denn Länder wie der Kongo und Kamerun zeigen auf brutalste Weise auch, dass sexuelle Gewalt gegenüber Frauen kein individuelles Problem ist, sondern ein strukturelles Problem von Patriarchat, Krieg und Ausbeutung. Sie ist systematisch und wird häufig als Kriegswaffe eingesetzt.

Gleichzeitig geht es nicht nur darum, über Fakten aufzuklären. Für die betroffenen Frauen ist es auch ein Weg der Befreiung, ein Weg Angst zu überwinden und neue Stärke zu gewinnen. „Staying silent is like dying slowly“.

Neben der Präsentation und Diskussion zum Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder werden auch andere Aspekte der politischen Situation besprochen. Eins davon ist die Ausbeutung der Bodenressourcen in den Ländern:

Täglich benutzen wir Geräte, in denen Akkus verbaut sind. In diesen Akkus ist das Metall Kobalt verarbeitet. Das Kobalt in Akkus ist unter anderem Grund dafür, dass Akkus schneller aufladen und länger halten, ca. 40 000 Kinder im Kongo in Minen arbeiten, Kongo auf Platz 5 der fragilsten Länder weltweit landet und sich ca. 4,5 Millionen Kongoles*innen auf der Flucht vor Gewalt, Armut und Korruption befinden.

Neben Kobalt ist die Demokratische Republik Kongo auch reich an Kupfer, Diamanten, Koltan und Gold. Im Zuge der Kolonialisierung wurde bereits begonnen diese Bodenschätze auszubeuten und Menschen zu versklaven. Seitdem findet das Land keine Stabilität und ist geprägt von brutalen Auseinandersetzungen aufgrund von Interessenskonflikten. Dabei stehen sich nicht nur militärische Regierungstruppen und kongolesische Rebellengruppen gegenüber, sondern auch Rebellenbewegungen aus den angrenzenden Ländern Ruanda und Uganda.

Im nicht weit entfernten Kamerun hat die Kolonialisierung ebenso tiefe Spuren in der Gesellschaft und politischen Struktur hinterlassen. Nachdem das Land von 1884-1919 eine deutsche Kolonie war, wurde es im Zuge des Versailler Vertrags 1919 unter Frankreich und Groß Britanien aufgeteilt. Auch wenn beide Teile in den 60er Jahren ihre Unabhängigkeit erkämpft haben, ist die Zersplitterung noch heute Grund für Auseinandersetzungen. Die Minderheit im englischsprachrigen, anglophonen Gebiet erfährt Unterdrückung und Benachteiligung aufgrund der Sprachbarriere. Proteste, die im Jahr 2016 dieses Problem adressierten, wurden durch massive Militäreinsätze und willkürliche Verhaftungen zerschlagen. In folge dessen sind Seperatistengruppen entstanden, die für einen unabhängigen Staat Ambazonia kämpfen. Die Vernichtung ganzer Dörfer, Ermordungen, Entführungen, Schulschließungen und die Zerstörung von Krankenhäusern sind Teil eines aussichtslosen Konflikts, bei dem durch alle Parteien Menschenrechte verletzt werden.

Auch wenn die historischen Verläufe der beiden Länder unterschiedlichen sind, so gibt es doch Gemeinsamkeiten. Zum einen mit Blick auf die koloniale Gewalt, die beide Länder erfahren mussten, zum Anderen mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen und die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung.
Für Frauen aus diesen Ländern ist der Hauptgrund zu fliehen sexualisierte Gewalt. Jede dritte Frau im Ostkongo ist Opfer dieser Gewalt. Das System der Unterdrückung findet auch im Asylsystem kein Ende, auch hier treffen Männer in Machtpositionen gravierende Entscheidungen über die Leben von Frauen und es mangelt an Schutzmechanismen. Oft sind Personen nicht darüber informiert, welche Rechte sie im Interview haben, zum Beispiel eine weibliche Übersetzung oder eine anhörende Person die ausgebildet im Bereich Trauma ist.
Die Asylanträge von Menschen aus Kongo und Kamerun werden in der EU überwiegend abgelehnt. Dieses Event soll auch seinen Teil dazu beitragen zu verdeutlichen welche Zusammenhänge und Umstände Menschen zur Fluchtentscheidung bringen und unterstreichen, dass ein Leben in Sicherheit und Frieden das Recht eines jeden Menschen ist.

“Walking for new hope” – Info event about the situation in Cameroon and Congo

Ignorance of the warlike conflicts in African countries such as Congo or Cameroon is high in European circles. People from Congo, who now live in Athens, want to draw attention to the situation in their home countries and raise awareness of the precarious situation of the civilian population. Together with people from Cameroon and solidarity supporters, an event has been planned in the public space of Athens (plateia protomagias). They will explain the origins and global contexts of the conflicts and the current situation and thus make clear why people decide to flee.

In addition, part of the event will be dedicated to giving women a space to share their stories. They will give first-hand accounts (sometimes anonymously), and educate listeners generally on (sexualised) violence against women and children in Congo and Cameroon.

The silence on sexual violence must be broken. Countries like Congo and Cameroon demonstrate in the most brutal way that sexual violence against women is not an individual problem, but a structural problem of patriarchy, war and exploitation. It is systematic and often used as a weapon of war.

At the same time, it is not only about educating about the facts. For the women concerned, it is also a way of liberation, a way to overcome fear and gain new strength. “Staying silent is like dying slowly”.

In addition to the presentation and discussion on violence against women and children, other aspects of the political situation will also be discussed. One of them is the exploitation of land resources in these countries:

Every day we use devices that have rechargeable batteries in them. These batteries are produced using the metal cobalt. Cobalt is one of the reasons why batteries charge faster and last longer, why about 40,000 children in Congo work in mines, why Congo is the 5th most fragile country in the world and why about 4.5 million Congolese are fleeing violence, poverty and corruption.

Besides cobalt, the Democratic Republic of Congo is also rich in copper, diamonds, coltan and gold. The exploitation of these natural resources and the enslavement of people was established and maintained throughout the course of colonisation. Since then, the country has not found stability and is marked by brutal conflicts due to conflicting interests. Not only do we see confrontation between military government troops and Congolese rebel groups, but also from rebel movements in the neighbouring countries of Rwanda and Uganda.

In Cameroon, not far away, colonisation has left equally deep traces in society and political structure. After being a German colony from 1884-1919, the country was partitioned between France and Great Britain under the Treaty of Versailles in 1919. Even though both parts won their independence in the 1960s, the fragmentation is still a cause of dispute today. The English-speaking minority experiences oppression and discrimination due to the language barrier. Protests addressing this problem in 2016 were crushed by massive military operations and arbitrary arrests. As a result, separatist groups have emerged to fight for an independent state of Ambazonia. The annihilation of entire villages, killings, kidnappings, school closures and the destruction of hospitals are part of a conflict in which human rights are being violated by all parties.

Even though the historical trajectories of the two countries are different, there are similarities. On the one hand with regard to the colonial violence that both countries were forced to endure, and on the other hand with regard to recent developments and the effects on the civilian population.

For women from these countries, the main reason for fleeing is sexualised violence. Every third woman in eastern Congo is a victim of this violence. Their oppression does not end in the asylum system either, where men in positions of power make grave decisions about women’s lives and there is a lack of protection mechanisms. Often people are not informed about their rights in the interview, for example the right to a female translation or a interviewertrained in trauma.

The asylum applications of people from Congo and Cameroon are mostly rejected in the EU. This event is also intended to play a part in highlighting the contexts and circumstances that lead people to make the decision to flee and to emphasise that a life in safety and peace is the right of every human being.

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